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SAP-Chef Wagner: Danke Donald Trump für diesen Weckruf

So sind wir · Mit Gästen · 15. August 2026 · 22 Min.

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Worum es geht.

SAP-Österreich-Chef Andreas Wagner spricht mit Niko über digitale Souveränität und Europas Position bei künstlicher Intelligenz. Weitere Themen sind der Mittelstand, veränderte Arbeitsplätze und der europäische AI Act.

Redaktionell zusammengefasst aus der Folgenbeschreibung.

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Liebe Freunde,

„Danke Donald Trump für diesen Weckruf." Mit diesem Satz hat mich Andreas Wagner in dieser Folge überrascht. Der Geschäftsführer von SAP Österreich meint erst der Blick nach Washington hat Europa aufgeweckt. 75 Prozent der weltweiten KI-Rechenleistung stehen heute in den USA, 20 Prozent in China. Für den Rest der Welt bleibt fast nichts.

Wir reden darüber, was digitale Souveränität wirklich bedeutet und was sie kostet. Warum ein Rechenzentrum in Österreich allein noch keine Souveränität bringt. Wie viele Kunden tatsächlich bereit sind, für Datensicherheit mehr zu zahlen. Und warum Andreas überzeugt ist: Wer versucht, alles zu schützen, der schützt gar nichts.

Beim Thema KI wird er konkret. SAP will das autonome Unternehmen bauen, in dem Agenten ganze Prozesse übernehmen und der Mensch entscheidet. Was heißt das für Jobs? Andreas sagt offen: Gewisse Standard-Jobs werden wegfallen. Und zur Regulierung hat er eine klare Forderung mitgebracht.

Ein Gespräch über Abhängigkeit und Aufbruch, über Tempo statt Perfektion und darüber, warum Österreich trotz allem eine echte Chance hat.

Hört rein, folgt dem Podcast und schreibt mir, wie ihr das seht: Hat uns Trump wirklich einen Gefallen getan?

Euer Niko

Kapitel

00:00:00 „Ungeschminkt und ungekürzt" 00:01:06 „Danke Donald Trump für diesen Weckruf" 00:03:49 „Wer versucht, alles zu schützen, der schützt gar nichts" 00:05:21 „80 Prozent unserer Kunden sind im Mittelstand" 00:07:29 „Ein Drittel entscheidet sich dafür" 00:08:07 „Der Mensch bleibt in der Entscheidung" 00:11:37 „Gewisse Standard-Jobs werden wegfallen" 00:13:55 „The future belongs to the curious" 00:14:59 „Den AI Act kurzfristig aussetzen" 00:18:40 „Wir brauchen die KI" 00:20:23 „Wir müssen schneller werden und mutiger sein"

Kapitel.

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  1. 0:00Ungeschminkt und ungekürzt
  2. 1:06Danke Donald Trump für diesen Weckruf
  3. 3:49Wer versucht, alles zu schützen, der schützt gar nichts
  4. 5:2180 Prozent unserer Kunden sind im Mittelstand
  5. 7:29Ein Drittel entscheidet sich dafür
  6. 8:07Der Mensch bleibt in der Entscheidung
  7. 11:37Gewisse Standard-Jobs werden wegfallen
  8. 13:55The future belongs to the curious
  9. 14:59Den AI Act kurzfristig aussetzen
  10. 18:40Wir brauchen die KI
  11. 20:23Wir müssen schneller werden und mutiger sein

Das Gespräch zum Lesen.

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0:00

Auf der einen Seite kann man sagen danke Donald Trump für diesen Weckruf, weil ich glaube Europa hat sich generell im ganzen Bereich der Digitalisierung zu sehr in die Abhängigkeit der USA begeben. Willkommen bei So sind wir zwischen Bognergasse und Ballhausplatz. Hier spreche ich mit Menschen aus Politik und Wirtschaft, die hinter die Kulissen Österreichs blicken. Ungeschminkt und ungekürzt. Mein Name ist Niko Hutter. Ich sitze hier mit Andreas Wagner, dem Geschäftsführer von SAP Österreich.

0:36

Und das Thema oder die Themen, die ich heute mit ihm diskutieren möchte, ist neben dem allumfassenden und überall diskutierten Thema KI digitale Souveränität. Wenn Trump, wenn die USA hergehen können und einem ihrer Software Companies, Microsoft, Amazon oder einen der anderen anschaffen können, dreht es einer europäischen Institution, einem europäischen Unternehmen den Zugang ab. Dann ist es für jeden Europäer, der sowas lesen kann in der Zeitung, mal unglaublich beunruhigend. Lieber Andreas, wie siehst du dieses Thema und wie geht es ihr als Unternehmen, als deutsches, europäisches Unternehmen mit Datensicherheit, mit digitaler Souveränität um?

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Vielen Dank erstmals Nikolaus für die Einladung zu diesem Podcast. Auf der einen Seite kann man sagen, danke Donald Trump für diesen Weckruf, weil ich glaube, Europa hat sich generell im ganzen Bereich der Digitalisierung zu sehr in die Abhängigkeit der USA begeben. 75 Prozent der kompletten KI-Rechenleistung sind heute in der USA, 20 Prozent in China und der Rest teilt sich auf den Rest der Welt auf. Also da bleibt nicht wahnsinnig viel übrig. Und ich glaube, deshalb fand ich es gut, dass sich Europa mehr emanzipiert. Und ich meine, im Bereich digitale Souveränität geht es ja wirklich darum, wer hat Zugriff zu meinen Daten, wer betreibt die Rechenzentrum, wie schaut die ganze legale Entwicklung aus.

2:06

Und was wir bei der SAP, wir bieten ja wirklich unterschiedliche Aspekte von souveränen Leistungen an. Also wir haben Public Cloud-Systeme, wo es ein EU-Access gibt quasi, was heißt, dass die Daten in der EU bleiben und nur in der EU darauf zugegriffen werden kann. Und wir haben bis 100 Prozent souveräne Systeme. 100 Prozent digitale Souveränität bedeutet wirklich, und das ist also besonders für Rüstungskonzerne, sage ich mal, oder für den Staat, für ganz hochsensible Daten.

2:41

Wichtig bedeutet wirklich, dass wir von einer Datensouveränität sprechen. Wir sprechen von einer technologischen Souveränität aus der Stack, der komplette Technologie-Stack ist souverän. Wir sprechen von einer operativen Souveränität, das heißt, die Betreiber sind Staatsbürger der EU, des jeweiligen Landes. Es ist sicherheitsgeprüft und wir sprechen auch von einer rechtlichen Souveränität. Und das ist natürlich mit Mehrkosten verbunden, aber wie gesagt, wir bieten das komplette Spektrum. Und ich glaube, auch wichtig, weil wir von digitaler Souveränität, also wenn heute viele Leute von Souveränität sprechen, dann sprechen sie oft von einem Rechenzentrum in Österreich oder von einem Rechenzentrum in Europa.

3:22

Und das allein bringt noch keine Souveränität. Aber es ist wichtig, die Daten genau zu analysieren und zu segmentieren und genauer abzuschätzen, wo ist Schutz notwendig, wo ist eine Schutzbedürftigkeit gegeben, oder wo kann ich wirklich Zugriff auf die Daten geben, um technologisch nicht abgehängt zu werden. Weil eines ist klar, wer versucht alles zu schützen, der schützt gar nichts. Weil also, wenn ich alles als hochsensibel einstufe, werde ich mich technologisch komplett abschotten.

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Und das ist natürlich auch sehr, sehr gefährlich. Wo ist das Risiko in dieser Abschottung? Ja, das Risiko in der Abschottung ist, dass wir den Datenschatz einfach nicht nutzen, um Konkurrenzvorteile, um technologischen Vortritt zu haben. Wir haben in Europa, ich glaube, 35 CETA-Byte an Daten. Das ist eine Zahl mit 21 Nullen. Das ist ein riesiger Datenschatz, den wir hier haben, der jährlich produziert wird. Und diese Daten, die bringen natürlich wahnsinnig viele Vorteile. Und die müssen wir auch nutzen, die müssen wir analysieren. Und daraus kann man natürlich wahnsinnig viele Wettbewerbsvorteile erwähnen.

4:35

Also du redest um Wettbewerbsfähigkeit versus Sicherheit im Wesentlichen. Absolut. Wie schaut diese Abwägung für eure Kunden aus? Sehr, sehr unterschiedlich. Also ich sage einmal, schutzbedürftig. Ich sage, es gibt natürlich gewisse Regierungsbereiche, gewisse Verteidigungsindustrien und so weiter, die hochsensible Daten haben, wo ich den höchsten Schutz haben muss. Und ich sage, man muss natürlich immer abwägen, wenn ich heute ein Mittelständler bin, der kann natürlich extrem von der Cloud profitieren, gerade von der Public Cloud, weil eben er die Innovation ja standardisiert bekommt.

5:13

Der hat ja keine großen IT-Abteilungen, keine großen Innovationsabteilungen. Der ist ja angewiesen, dass er über die Cloud die Innovation bekommt. Aber da wiederum gibt es dann einen Service wie EU Access Only. Da bleiben, da zahlt er halt ein bisschen mehr, da bleiben die Daten dafür in der EU und der Zugriff ist auf die EU beschränkt. Und das ist zum Beispiel ein Schritt auch in Richtung Souveränität. Wir sind da jetzt ja kalt reingestartet in das Thema. Magst du ganz kurz erklären, was SAP in Österreich alles leistet und wer alles eure Kunden sind? Weil ich glaube, nicht all unsere Zuhörer wissen, was ihr eigentlich alles anbietet und wie umfangreich ihr seid.

5:49

Naja, wir haben 1900 Kunden in Österreich über alle Segmente hin. Also das größte Kundensegment ist im Mittelstand. Also das sind ungefähr, das wissen die wenigsten, 80 Prozent unserer Kunden sind im Bereich Mittelstand. Wir haben aber natürlich auch alle großen Industrieunternehmen. Wir bieten Software und Business KI an. Unser Herzstück ist natürlich die ERP, also das Enterprise Resource Management, aber natürlich auch alle angrenzenden Softwareprodukte in der Cloud, wie der HR-Bereich, der Supply Chain-Bereich, der Customer Experience-Bereich und also wirklich im End-to-End-Prozessbereich.

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Das heißt, dieses Zusammenspiel, die SAP bietet das Zusammenspiel zwischen Business-Prozessen, Software-Business-Prozesse, Datenmanagement und KI an. Also das ist ein ganz wichtiges Zusammenspiel, also die vertrauensvolle KI, die auf die Daten zugreift, wo wir auch das Datenmanagement zur Verfügung stehen und auf den Prozessen und Systemen aufbauen. Und in der operativen Umsetzung, weil du hast ja vorher ganz gut beschrieben, wenn man die höchste Sicherheitsstufe hat, dann wird das auch nur von österreichischen Staatbürgern oder hier ansässigen Personen bedient.

7:10

Ausgewählte Fundstelle · ca. 7:29

Das heißt, diese Kunden, wenn sie das haben, oder wie viele von denen werden dann von hier aus bedient eigentlich? Die SAP hat kein Rechenzentrum in Österreich. Das heißt, wenn ist es EU, wir haben unser Rechenzentrum, also wir haben 46 Rechenzentren weltweit, davon sind einige in Deutschland, also das wäre jetzt in Deutschland, weil wir unser eigenes Rechenzentrum nehmen. Wir haben aber Partner in Österreich, wie Netty Systems oder auch der Stack, eine schwarze IT, die also durchaus Rechenzentrum auch in Österreich betreiben. Spannend, spannend. Das andere große Thema nimmt das digitalen Souveränität, das ist natürlich KI und wie wir KI in unsere Dienstleistungen, in unseren Alltag integrieren.

7:52

Das ist natürlich bei euch als Softwareunternehmer ein großes Thema. Was ist eure Strategie und wo seid ihr in der Umsetzung? Wir haben ja dieses Konzept des autonomen Unternehmens quasi jetzt kürzlich auch ausgerufen, also auf unserer Sapphire, auf unserer Messe, unsere neue Strategie. Und ich glaube, das Spannende ist, dass der große Vorteil aus der KI ja eigentlich darin liegt, wenn ich die KI direkt in den, die Agenten direkt in den Wertschöpfungsprozess, also dort reinsetze, wo die Wertschöpfung stattfindet.

8:30

Das heißt, in den Unternehmensprozessen. Und das passiert heute noch relativ wenig. Die letzten Umfragen haben gezeigt, dass erst in Österreich 4 Prozent, in Deutschland sind 6, 7 Prozent, wirklich davon die KI, die Unternehmens-KI so einsetzen, dass also End-to-End-Prozesse automatisiert werden. Und das wollen wir mit dem autonomen Unternehmen erreichen. Um sich das so vorstellen, ja, es gibt also quasi drei Ebenen. Es gibt also den Decision Layer, also der Mensch, das ist uns ganz, ganz wichtig, der Mensch bleibt in der Entscheidung, der Mensch trifft die Entscheidungen.

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Aber dann gibt es den Orchestration, die Assistenten quasi, die koordinieren dann verschiedene Agenten, die die einzelnen Business-Prozesse automatisieren. Das heißt, es geht in die Richtung, dass also die Business-Prozesse komplett autonom automatisiert werden sollen und der Mensch quasi dann für die Entscheidung zuständig ist. Ich meine, ein typisches Beispiel, stell dir vor, einen Abschlussprozess, einen Finanzabschlussprozess, also Jahresabschluss zum Beispiel. Der dauert bei vielen Unternehmen oft 7, 8, 9 Tage.

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Stell dir vor, ein Unternehmen hat mehrere ERP-Systeme, unterschiedliche Datentöpfe, bis man das Ganze zusammenfügt, ein relativ komplexer Prozess. Wenn ich jetzt natürlich einen Assistenten habe und viele Agenten, die die einzelnen Prozessschritte, zum Beispiel das Thema Intercompany, Reconciliation, sehr, sehr kompliziert, wo es ja dann automatisch Vorschläge gemacht werden, wo der Mensch dann quasi, der Konzern, Buchhalter, Konzern konsolidierter dann quasi die einzelnen Vorschläge hat, sagt, das ist der Vorschlag hier mit der Wahrscheinlichkeit und so weiter, dann kannst du diesen Prozess von 8, 9 Tagen, auf 1 bis 2 Tage reduzieren.

10:17

Und das sind quasi diese End-to-End-Prozesse, der Supply Chain-ähnliche Planungsprozess, der relativ komplex ist, wo also wirklich sehr, sehr viele Einsparungsmaßnahmen möglich sind. Und da stehen wir noch ganz am Anfang und das ist das, was wir bei der SAP, die quasi, wo wir quasi mitten im Unternehmensprozess sitzen, was wir bei der SAP mit unseren Kunden erreichen wollen. Und auch dieses Zusammenspielen, Business-Prozesse, Daten und KI, weil wir haben natürlich immer das Thema auch, dass wir natürlich, dass viele unserer Unternehmen die KI nicht auf alle Daten zugreifen lassen können, sondern da kann, unsere Kunden können wirklich entscheiden, in unserer Business Data Cloud, welche Daten, wollen sie nur ERP-Daten, welche Daten wollen, wollen sie quasi, wollen sie, auf welche Daten erlauben sie, dass die KI zugreifen kann.

11:08

Weil das natürlich gerade bei den Unternehmensdaten, bei den Unternehmensprozessen ein sehr wichtiger Punkt ist. Auf jeden Fall. Du hast es ja ganz gut beschrieben, der Mensch trifft am Ende die Entscheidungen. Wenn wir über KI reden, dann ist natürlich auch oft eine Debatte da, dass KI gewisse Arbeitsprozesse, gewisse menschlichen Stellen, Jobsbeschreibungen überflüssig machen wird. Wie wirkt sich das aus deiner Sicht aus in den kommenden Jahren? Ja, ganz klar, natürlich. Es werden ganz neue, aber wieder auf der anderen Seite wieder neue Jobs entstehen. Ich glaube, konkret wird die Automatisierung, das wird gewisse Standardjobs, die werden wegfallen.

11:50

Dafür wird zum Beispiel das Thema Legal Compliance wichtiger werden. Dafür wird Workflow Promptmanagement wichtig werden. Dafür wird das Thema Supervision wichtiger werden. Also ich glaube, es werden neue Jobs entstellen, die auch andere Skills benötigen. Und in eurem Ökosystem, sage ich mal konkret, wenn man das jetzt auf ein Unternehmen anwendet, wo werden Jobs eher wegfallen von den Leuten, die eher eure Systeme aktuell bedienen im Unternehmen und wo kommen eher welche dazu, damit man es ein bisschen veranschaulichen kann?

12:26

Naja, wenn du dir das vorstellst, ich meine, wir sind momentan, wenn du unseren Agenten für die Beratung anschaust, Schul4Consulting heißt, da sparen wir uns momentan am Tag so ungefähr zwei Stunden ein pro Berater. Das heißt also, die Effizienz steigt an, was natürlich positiv ist, weil wir haben immer zu wenig Berater. Also das heißt, wir haben nicht genug SAP-Experten am Markt. Das heißt, der Experte wird also umso effizienter und wird schneller. Das Gleiche ist auch in der Entwicklung. Also die Entwicklungsleistung steigt, also die Produktivität des Entwicklers steigt momentan ungefähr um 30 Prozent.

13:03

Das ist natürlich auch ein Thema. Und auf der anderen Seite hast du wieder, wie gesagt, im Bereich Prompten, im Bereich Compliance und so weiter, wieder ganz neue Stellen, die es vorher nicht gibt. Wir sind ja relativ froh, weil wir haben ja viel zu wenige IT-Kräfte. Wir sind auch immer in Österreich noch in der Situation, dass sehr, sehr viele tausende IT-Kräfte abgehen. Insofern ist es ein positiver Trend, wenn wir jetzt Dinge effizienter und schneller machen. Und wenn du jetzt nochmal ein junger Mensch, 18, 19 Jahre wärst und in der Situation stehen müsstest, okay, die Welt verändert sich stark, es kommen neue Berufsbilder auf, was wären deine Empfehlungen?

13:43

Wohin sollte man sich fortbilden? Wohin sollte man, sag ich mal, den Blick vielleicht richten? Ich glaube, es ist wahnsinnig wichtig, dass man sich Digital Skills einfach aneignet. Relativ früh, ja. Weil was wir natürlich sehen, dass die Haltbarkeit von Skills sich total ändert. Skills ändern sich momentan. Also wir haben auch eine globale Skill-Datenbank, also bei uns bei der SAP, wo wir die wichtigsten Skills haben und die verändern sich eigentlich alle eineinhalb Jahre sehr, sehr stark. Aber ich glaube, was wichtig ist, dass man eine gewisse Flexibilität hat. Das Thema Digital Skills sich aneignen, ist super wichtig, weil ich glaube, es wird in jedem Beruf wichtig sein. Egal was du machst, diese Kombination Mensch-Maschine wird immer wichtiger werden.

14:22

Darum würde ich das jedem anraten und ich sage immer zu jungen Leuten, the future belongs to the curious, also neugierig sein und wirklich lebenslanges Lernen. Ich glaube, das ist das Wichtigste. Stichwort neugierig sein. In der EU haben wir ja die Tendenz, weniger neugierig zu sein, als Sachen zu regulieren. Also man sagt ja, USA, China entwickeln, erfinden und Europa reguliert. Wie siehst du das? Wie siehst du den AI-Act? Ich meine, der große Vorteil an der EU ist ja der, dass wir versuchen, planbar zu sein.

14:57

Und das ist ja immer ganz schön. Das ist der große Vorteil von Europa. Und mit dem AI-Act versuchen wir natürlich, digitale oder technologische Innovation zu verbinden mit Datenschutz, mit Security, mit den Grundrechten. Ich glaube, der große Nachteil an der EU ist halt immer wieder, dass wir immer zuerst an regulieren denken, bevor wir beginnen, Innovation zu bereiten. Also insofern wäre es vielleicht gar nicht schlecht, eine EU-Act mal kurzfristig auszusetzen, damit man sich mehr auf das Thema Innovation fokussiert, als auf das Thema Regulierung.

15:33

Ich glaube, wir haben sehr, sehr viel Potenzial in Europa, wenn wir die beste Technologie mit dem europäischen Datenschutz verbinden, mit dem Sicherheitsdenken, das wir in Europa haben, wenn wir das in irgendeiner Weise verbinden können und eine bessere Planbarkeit haben, dann ist es ja sehr, sehr gut. Wir müssen aber schneller werden. Wir sind zu langsam in der EU. Wir müssen an Geschwindigkeit beginnen. Und ich glaube, wenn wir Business-K.I. verbinden mit dem Industrie-Know-how, das wir haben im Bereich der Chemie, im Bereich der Pharmaindustrie, in der Bereich Automotive-Industrie, da ist es sehr, sehr großes Potenzial. Wir müssen aber an Geschwindigkeit zulegen. Ich sage immer, Tempo schlägt Perfektion.

16:10

Ich glaube, das ist in der KI extrem wichtig. Wir werden nicht den perfekten Datensatz haben, aber es ist wichtig, dass man auch in den Unternehmen mit kleinen Projekten beginnt und einfach was tut. Und auf der anderen Seite sage ich auch immer, Kontext schlägt Kosmetik. Das schönste User-Interface hilft uns nicht. Wenn die Qualität, wenn die Daten, wenn das Ganze nicht verbunden ist, wenn die KI nicht verbunden ist mit den Daten, mit der ganzen Governance. Und was bei der KI auch extrem wichtig ist, ist, dass Teamwork wirklich Einzelkampf schlägt.

16:48

weil KI oder jedes KI-Projekt ist jetzt kein Einzelprojekt. Es geht wirklich um Teamarbeit. Das ist auch nicht von der IT getrieben. Du brauchst IT, du brauchst Business, du brauchst Change Management, du brauchst Legal, weil es oft rechtliche Aspekte gibt. Und du brauchst auch HR, weil es ein großer Veränderungsprozent ist, weil natürlich viele auch Angst haben vor der KI. Du hast ganz gut beschrieben, wie schnell sich die Sachen durch die KI verändern, wie sich laufend die Prozesse verändern. Wenn du dir jetzt anschaust, du sagst, ja, sollte man aussetzen, hältst du das für realistisch, dass wir da aufholen können?

17:29

Weil so schnell, wie das voranschreitet, so wie der Stand in den USA ist, was wäre dafür notwendig? Oder hältst du das für überhaupt realistisch? Nein, ich glaube, es gibt gewisse Dinge, wo wir in Europa besonders stark sind. Und es geht ja nicht darum, wie werden die Amerikaner jetzt nicht so schnell einhalten, also wie werden die Amerikaner nicht so schnell einholen jetzt, oder die Chinesen, aber es geht ja darum, auch, ich sage mal, diesen Gap zu verringern. Und vielleicht, diese Einzigartigkeit auch nicht, die wir in Europa haben, dass wir sagen, auf der einen Seite, wir haben die beste Technologie, wir verwenden die beste Technologie, aber wir haben halt auch diesen rechtlichen Rahmen, die Rahmenbedingungen und sind durch diese Rahmenbedingungen besser planbar.

18:12

Das ist ja auch ein Erfolg. Wenn du dir jetzt anschaust, wo Österreich heute steht, wo die EU heute steht, wo dein Unternehmen heute steht, wo siehst du uns in fünf Jahren, beziehungsweise, du hast gerade gut beschrieben, es gibt Potenziale, wo wir aufholen können, wo wir den Abstand verringern können. Wo wäre deine ideale Vorstellung da in fünf Jahren? Naja, meine ideale Vorstellung wäre, dass Österreich wirklich eine der führenden KI-Nationen wird. Weil ich meine, in Österreich, wir haben hohe Lohnnebenkosten, hohe Lohnkosten, wir haben hohe Bürokratiekosten, wir haben hohe Energiekosten.

18:51

Das sind alles Themen, wo uns die KI helfen kann. Wir haben ein riesen demografisches Problem. Und das demografische Problem in Österreich wird sich vervielfachen in den nächsten Jahren, weil wir haben in den letzten Jahrzehnten den demografischen, den Talenteausgleich immer aus Osteuropa importiert. Mosterov hat selber aktuell in den nächsten Jahren ein demografisches Problem. Also wir brauchen die KI. Und ich glaube, wenn wir hier in die richtige Richtung gehen und wir haben immer noch ein sehr gutes Bildungssystem, wenn wir da stärker in die digitale Bildung gehen und hier Vorreiter werden, dann glaube ich, haben wir eine gute Wettbewerbsmöglichkeit.

19:26

Das ist eine sehr positive Nachricht, weil wenn man generell sich als Österreicher umhört zu dem Thema, dann sind wir eh weit, weit hinten im Schlusslicht, wenn man mit den verschiedenen Leuten darüber redet. Es gibt gute Initiativen, auch im Business-Bereich. Ich meine, in der Industriellen Vereinigung gibt es auch eine schöne Initiative. Ich kenne viele Unternehmer, die mit guten Beispielen hier vorausgehen, vorangehen. Also ich glaube, wir müssen einfach schneller werden. Und wir müssen mutiger sein. Ja, ich glaube, das ist auch ein gutes Wort, um zum Schluss zu kommen.

20:02

Wenn du jetzt darüber nachdenkst, an die österreichische Politik denkst, wo würdest du dir wünschen, dass Österreich mutiger wäre? Und vielleicht ein, zwei Sachen, nicht überall. Naja, gut, gewähren ich meinen, politisch haben wir aktuell ja doch eher Stillstand, weil die großen Dinge, wie ich sage mal, Verwaltungsreformen, die große Verwaltungsreformen, Gesundheitsreformen, Pensionsreformen ja momentan nicht angegangen werden. Aber was ich sehr positiv aktuell finde, ist, dass man gerade im Bereich der Digitalisierung, dass ich sehe, dass es hier wirklich einen Wind der Erneuerung gibt, ja, dass auch mit Digital Austria und so weiter, wir haben einen sehr innovativen Staatssekretär, also da passiert einiges, ja, also das geht, da habe ich, glaube ich, sehe ich ein gutes Potenzial, dass wir hier in den nächsten Jahren doch im Bereich der Automatisierung,

20:58

auch in der Verwaltung einiges nach vorne bringen. Das klingt ja positiv. Bin gespannt, wie es dann in fünf Jahren tatsächlich auszuschauen wird. und ich wollte dir ein ganz großes Danke aussprechen, dass du heute bei diesem Podcast dabei bist, dass du hier in diesem wunderschönen Office mit mir über dieses Thema diskutierst. Ich bin schon gespannt, was sich in den nächsten Jahren ergeben wird. Vielen Dank. Ja, danke dir. Wenn dir diese Folge gefallen hat, folge den Podcast, bewerte ihn und teile ihn mit Freunden. Ich freue mich immer über Feedback.

21:33

Bis zum nächsten Mal. Ciao. Ciao.

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