Die Sommerpause ist nun vorbei und in unserem wunderschönen Nachbarland Deutschland fand auch schon die erste Wahl wieder statt. Die in Sachsen-Anhalt, wo die AfD die Alternative für Deutschland eine fast absolute geholt hat. Lieber Felix, magst du uns mal kurz das Ergebnis einordnen? Nikolaus, diese Wahl war ein Krimi. Also ich sag's dir ganz ehrlich, in meiner ganzen Zeit, die ich jetzt in der Politik arbeite, Politik beobachte und mich mit Politik beschäftige, habe ich noch nie so eine Wahl gesehen.
Hinter der Brandmauer
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Niko und Felix diskutieren den Umgang mit der AfD und die politische Wirkung der Brandmauer. Sie wägen die Risiken eines dauerhaften Ausschlusses gegen die Gefahren einer Regierungsbeteiligung ab.
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Liebe Hörerinnen und Hörer,
die Sommerpause ist vorbei. In Sachsen-Anhalt hat die AfD ein Ergebnis geholt, das nur knapp an einer absoluten Mehrheit vorbeigeht. Felix und ich reden in dieser Folge über die Brandmauer. Also über die Vereinbarung, mit der die etablierten Parteien in Deutschland jede Zusammenarbeit ausschließen.
Felix' Punkt: Man kann einem Machtpopulisten schwer ein größeres Geschenk machen, als ihm öffentlich zu sagen, dass er dauerhaft ausgeschlossen bleibt. Ich halte dagegen, dass die Sorgen in Deutschland ihren Grund haben, wenn man sich anschaut, wer im Umfeld des Spitzenkandidaten sitzt.
Wir schauen uns Ulrich Siegmund an, den man als Österreicher schwer betrachten kann, ohne an Jörg Haider zu denken. Wir gehen durch, wie eine Landesregierung dort überhaupt zustande kommen soll. Und wir landen am Ende bei uns selbst: bei der Frage, warum eine Regierung, die einen eigenen Staatssekretär für Deregulierung hat, den Leuten nicht einfach weniger Staat gibt.
Und Felix' Frage an alle, die sich angesprochen fühlen: Fühlt ihr euch vom Dürrepaket abgeholt? Oder vom Klimaziel 2040?
00:00:00 „Sachsen-Anhalt: Diese Wahl war ein Krimi"
00:03:40 „Ein Geschenk für Machtpopulisten"
00:09:53 „Es wird wohl an einer Regierung der AfD nichts vorbeiführen"
00:16:31 „Genau das ist das, wovor man Angst haben sollte"
00:21:01 „Warum nicht weniger Staat?"
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Aber lass mich dir mal das vorläufige Endergebnis zutragen. Die CDU hat es geschafft, sich mehr als zu halbieren. Auf 17,2 Prozent. Die AfD, haushochstärkste Partei mit 43,8 Prozent. Die Linke mit 8,6 Prozent. Die SPD mit 9,3 Prozent. Die Grünen mit 8,9 Prozent. Und das Bündnis Sarah-Wagenknecht, BSW mit 5,3 Prozent. Und genau dort geht es los. Bei der ersten Hochrechnung oder bei der ersten Prognose um 18 Uhr stand dieses BSW auf genau 5 Prozent.
Wären sie unter 5 Prozent gelandet, wäre die Fraktion nicht eingezogen in den Landtag. Jetzt, dass sie über 5 Prozent gekommen ist, zieht sie ein in den Landtag. Hätten sie dieses Ergebnis, hätten sie diese 5 Prozent verfehlt, hätte die AfD 41 der 83 Mandate gehalten. Das heißt, genau ein Mandat unter der Mehrheit. Genau. Jetzt ist es ein bisschen weniger eindeutig oder ein bisschen weniger Vormacht herstellend. Jetzt hat die AfD wohl 39 Mandate.
Ja, immer noch wahnsinnig viele. Das heißt, sie braucht, um über die Schwelle zu kommen, weniger Mandate. Drei Mandate, genau. Und dann hätte sie eine absolute Mehrheit. Ja, und das ist auch, ich sage mal, das war dann auch die erste für mich Überraschung am Wahlabend, nachdem die ersten Prognosen draußen waren. Grundsätzlich zur Einordnung die AfD für unsere österreichischen Zuhörer, die ein Großteil Österreicher sind und sich vielleicht nicht so mit der deutschen Parteienlandschaft auskennen,
das Rechtsaußenpendant sozusagen zur freiheitlichen Partei in Österreich. Hat aber einen entscheidenden Unterschied. Die AfD ist ja in ihrer Geschichte recht jung. Die ist erst in den 2010er Jahren begründet worden. Als Anti-Euro-Partei. Als Anti-Euro-Partei. Und hat sich jetzt sozusagen wirklich als neue Partei in diesem Spektrum etabliert. Es gab ja bis dahin immer die Devise oder die Doktrin, es darf rechts der CDU oder der CSU keine Partei geben.
Und wenn sich dort etwas gebildet hat, dann wurde das eigentlich immer möglichst vernichtet. Die AfD hat es aber geschafft, dort zu bleiben und schüttelt jetzt wohl die gesamte deutsche Politik eigentlich noch schlimmer oder noch mehr durch, als die FPÖ es gerade in Österreich macht. Ja, vor allem in Deutschland ist es so, dass es die Brandmauer gibt. Das ist eine informelle Vereinbarung mehr oder weniger zwischen den etablierten Parteien oder wie man es aus Sicht der AfD nennt. Wenn man deren Wortlaut nimmt, die Kartellparteien, wo vor allem CDU, CSU, SPD, Grüne, FDP, die mittlerweile nicht mehr im Bundestag vertreten sind und auch die Linke, die teilweise selbst isoliert ist, nicht mit der AfD in irgendeiner Form kooperieren.
Das heißt keine Koalitionen, keine gemeinsamen Abstimmungen, kein gar nichts. Es geht so weit, dass in der jetzigen Opposition im Bundestag sie auch keinen Untersuchungsausschuss gemeinsam mit der AfD einsetzen. Ja, und mach Populisten ein größeres Geschenk, als dass du öffentlich sagst, dass du sie konsequent und generell ausschließt. Und mach ihnen dann auch noch das Geschenk und sag das, wenn solche Wahlergebnisse eingefahren werden, im Fernsehen am Wahlamt. Und am besten beleidigt dann auch noch die gesamte frustrierte Wählerschaft in diesem Land.
Die einzige Aussage, die ich nicht gehört habe, was ich eigentlich noch erwartet hätte, war, dass dieses Ergebnis relativiert wird dadurch, dass die Wahlbeteiligung höher war. Also die Wahlbeteiligung bei dieser Wahl war um ein Vielfaches höher. Ja, ja. Die höchste Beteiligung in diesem Bundesland war seit der Wiedervereinigung. Und ehrlich gesagt hätte ich mir noch erwartet bei den ganzen Rechtfertigungen, die insbesondere von Seiten SPD, Grünen, Linken gekommen sind, dass dann irgendwann noch eine Rechtfertigung ihres Wahlergebens kommen würde. Naja, wir sind ja nur auf 9 Prozent etc., weil ja jetzt zu viele Nichtwähler gekommen sind.
Das habe ich eigentlich noch vermisst. Aber abgesehen davon, dass die SPD zum Beispiel ihr Ergebnis mit 8,9 Prozent als einen klaren Auftrag gegen die AfD zu arbeiten verstanden hat, fand ich sehr interessant. Wenn man jetzt anschaut, wie der AfD-Bahlkampf geführt wurde, dann wurde der ja sehr erfolgreich auf eine Person, nämlich den Ulrich Siegmund, oder Uli, wie ihn seine Fans nennen, zugeschnitten. Ich habe mir seine Social-Media-Profile angeschaut. Das Ganze ist sehr, sehr sympathisch.
Der kommt ursprünglich aus der CDU, also war mal CDU-Mitglied, ist dann aber ab, glaube ich, 2013, 2014 rübergewandert. Jugend, oder? In der Jugend, ja, bei der CDU. Aber er ist jetzt nicht so der klassische AfD-Funktionär, wie man sich vorstellt, sage ich mal, so der Gauland. Er ist ein sympathischer Mensch. Genau, ja. Das haben wir beide gesagt, wie wir den das erstmal wahrgenommen haben. Boom, der ist eigentlich sympathisch. Einen Hauch von, und man kommt halt aus Österreich nicht darum herum, diesen Vergleich zu ziehen,
einen Hauch von Jörg Haider hat er auch, wenn er dann sagt, sie lassen sich das in Sachsen-Anhalt nicht gefallen und sie schicken dann die Ungerechtheiten von Sachsen-Anhalt nach Berlin. Ja, oder anderer Vergleich. Politische Kommentatoren auch aus Österreich haben ja die Wahl verfolgt. Und wenn sie den erleben, wie er auf einem Parteievent oder bei einer Veranstaltung von Person zu Person geht und halt beschrieben wird, ja, er kennt jeden bei Namen, merkt sich die Geschichten von denen. Den Kameramann von der Redakteurin redet er an. Hallo, wir haben uns eh schon mal gesehen und so weiter und so fort.
Das macht dich halt wahnsinnig sympathisch. Und das sind alles Eigenschaften, die auch Jörg Haider zu erlebt hat. Genau. Zugesprochen wurden, das ist richtig. Ja, also insofern, das Wahlergebnis an sich, wenn man sich anschaut, die Arbeit dieser Koalition, die in Deutschland derzeit regiert und wenn man sich anschaut, die Stimmung und wenn man den Faktor Ostdeutschland mit einbezieht, eigentlich nicht überraschend. Was ich interessant gefunden habe, dass die erste Reaktion sozusagen aus der AfD dann tatsächlich gewesen ist,
wir gehen jetzt in die Offensive. Die erste Reaktion war, na gut, wir sehen das als Auftrag, eine Regierung zu bilden. Wir sehen das als Auftrag, für die AfD zu regieren. Das war für mich insofern interessant, wie ich das gehört habe, weil bis dato ja immer der Kurs war, wir müssen eine absolute schaffen, weil es wird keine der Systemparteien mit uns koalieren. Wir gedeihen hinter der Brandmauer. Genau, genau. Und ich sage einmal so, als politisch aktiver Mensch habe ich diesen Satz schon woanders auch gehört.
Es hat mich ein bisschen erinnert an, wer Sebastian Kurz will, der muss auch Sebastian Kurz wählen gehen, womit dann ja dieses Rekordergebnis 2019 eingefahren wurde. Ein bisschen hat es mich daran erinnert. Da war ja auch die Logik, alle müssen die ÖVP wählen, weil wenn es irgendeinen Weg daran vorbeigibt, dann werden die SPÖ und die FPÖ gemeinsam zusammengehen und werden die ÖVP verhindern. Wenn man es logisch durchdenkt, hast du aber in einer Position, wo die AfD jetzt ist,
kaum eine andere Möglichkeit als zu argumentieren, du willst in die Regierung. Weil okay, CDU sagt, sie sieht ihre Position, also zumindest der Spitzenkandidat in der Opposition. An dir kommt de facto, es sei denn, alle würden sich gemeinsam zusammenschließen, was nicht geht, aus verschiedensten politischen Gründen, weil CDU sagt zum Beispiel, sie machen es eigentlich nicht mit der Linke. PSB, schwierig. Ohne dich geht es sich de facto nicht aus. Also du brauchst... Das müssen alle fünf Parteien gemeinsam koalieren. Und ein Bündnis Sarah Wagenknecht hat ja jetzt auch schon kategorisch jährliche Regierungsarbeit
außer mit der AfD ausgeschlossen. Das ist richtig. Was auch sehr interessant ist, weil das ist noch unklar und ist noch offen. Die Forderung der Sarah Wagenknecht war ja in diesem Falle, einen politisch unabhängigen Ministerpräsidenten zu suchen. Und das ist ja jetzt das Ding, sage ich einmal, worum es jetzt in erster Linie geht. Wenn man dieses Wahlergebnis analysiert und zerpflückt, es muss sich ja mal eine neue Landesregierung bilden. Und davon muss jetzt einmal ein Ministerpräsident gewählt werden. Ja, das wird realistischerweise, wäre meine Einschätzung,
so als vom am Randstehender, aus dem Ausland kommentierender, wahrscheinlich der Spitzenkandidat der AfD, Ulrich Siegmund sein, entweder über, weil im deutschen System ist es so, im dritten Wahlgang, dass, wo sie auch schon angekündigt hat, dass BSW, dass sie sich enthalten würde, das würde die Spelle heruntersetzen. Damit hätten Sie eine Mehrheit der AfD, wo sie in einer Art Minderheitenregierung zumindest nicht machen könnten. Oder Option B, und Sie haben ja auch gesagt, jetzt die AfD schon, Sie sind offen und wollen mit allen Parteien sondieren,
insbesondere BSW und CDU, wobei CDU ausgeschlossen hat, dass sie regieren. Es könnte ja auch passieren, dass sie einzelne Abgeordnete... Darf ich dazu was Spannendes gleich einwerfen? Ich weiß nicht, nachdem wir ja, wie gesagt, nur von außen beobachten, wie viel dem auch an Gewicht jetzt zu geben ist, aber die junge Union Sachsen-Anhalt oder Mitglieder dieser haben wohl schon gefordert, die Union muss mit der AfD zusammenarbeiten. Ob da jetzt auch konkrete Mitglieder dieser Teilorganisation auf der Liste der CDU gewesen sind,
die jetzt auch in den Landtag einziehen werden, das weiß ich nicht an dieser Stelle. Naja, wenn man sich jetzt unabhängig vom politischen System oder Tagsland-Österreich anschaut, eine Partei, die sich gerade halbiert hat, wie die CDU, wird jetzt nicht in der stabilsten Situation sein. Und ich sage mal, der eine andere, der eine Chance wittert auf ein Regierungsmandat, der möglicherweise gibt es den einen oder anderen in einer Partei, wo die AfD in der jetzigen Situation hergehen kann und sagt, ja, wie kriegt es das?
Was ja auch tatsächlich häufiger passieren dürfte in Deutschland, als es in Österreich passiert. Also ich sage mal, wenn ich jetzt zurückdenke, ja, wir haben jetzt einen prominenten Fall gehabt mit Veit Dengler, der aus seiner Partei ausgeschlossen wurde, weil er im Stimmverhalten im Nationalrat mit der Partei nicht mitgegangen ist. Aber dass Mitglieder von einer Partei zur anderen überlaufen, das haben wir ja eher nicht.
Das ist eher die Ausnahme als die Regel. Es ist vorher gekommen, in Österreich beim Team Stronach damals, wo auch Abgeordnete abgeworben wurden. Damit sie Clubstatus bekommen, ja. Also es war beide Richtungen, beide Richtungen. Es war sowohl, dass sie vom ehemaligen BZU Abgeordnete abwerben, und es war auch der Fall, dass die ÖVP damals hergegangen ist und einzelne Abgeordnete dann, als der Bruno Stronach sich wieder aufgelöst hat, zu ihnen herübergezogen. Aber das war ja auch eine amerikanisch-populistische Intervention in unser Politiksystem.
Nein, es gab auch in Wien... Kanadische. Kanadische. Kanadische, selbstverständlich. Es gab auch in Wien einen Abgeordneten in der letzten Periode, der von der ÖVP zu den Freiheitlichen übergelaufen ist. Okay. Der Name fällt mir jetzt nicht ein. Egal. Es wird uns einfallen. Schreibt es in die Kommentare, wenn ihr wisst, wer das ist. Jedenfalls, was dieses Wahlergebnis zeigt, es wird wohl an einer Regierung der AfD nichts vorbeiführen. Und wenn man jetzt...
Das wird jetzt natürlich spannend, weil das ist natürlich die erste Möglichkeit für die AfD mitzugestalten. Ja, wobei schon angekündigt wurde, dass auf vielen verschiedenen Ebenen im deutschen Bundesstaat man dann im System eine Brandmauer gegen eine Regierung errichtet. Ja. Also, dass sie halt von verschiedenen Finanzausgleichsmöglichkeiten ab ausgeschlossen werden. Es ist auch unklar, was genau passiert, wenn sie wirklich das, was sie angekündigt haben, machen würden, nämlich aus dem Rundfunkstaatsvertrag auszutreten,
weil sie fordern einen sogenannten Grundfunk, was verfassungsrechtlich in Deutschland nicht 100 Prozent durchdekliniert ist, was dann passieren würde in dem Fall. Es gibt ja eine Leseart, dass dann sozusagen, wenn dieser Rundfunkstaatsvertrag, wenn eine Partei aus diesem Rundfunkstaatsvertrag austritt, dass dieser Ganze dann seine Gültigkeit verliert, sprich jeder Beitragszahler, Pflichtbeitragszahler an die GZ dann austreten könnte aus diesem Bundeswert und keine Gebühren mehr entrichten müsste an den Rundfunk.
Was natürlich für die Öffentlich-Rechtlichen die schärfsten, also wenn man sich die Medienlandschaft anschaut, also es hat sich über die letzten Jahre die Sicht oder der Umgang mit der AfD stark gewandelt. In den Öffentlich-Rechtlichen ist es noch am stärksten, sage ich mal so, diese Brandmauer, dass man keine Interviews mit AfD-Politikern führt. In den privaten Medien ist das mittlerweile wesentlich, wesentlich anders geworden. Was glaubst du, wenn jetzt eine AfD in Sachsen-Anhalt zu regieren beginnt, wird das dann der Untergang Deutschlands?
Werden dann irgendwelche alten Gewohnheiten wieder herausgegraben? Muss sich jetzt jeder nicht, ich glaube, da gibt es den Begriff Bio-Deutscher, muss sich da jeder Nicht-Deutsche jetzt fürchten? Schau, ich glaube, ich will nicht verharmlosen die Sorgen gewisser Mitbewerber in Deutschland oder der Zivilbevölkerung in Deutschland. Weil natürlich, wenn man sich auch die Parteistruktur der AfD anschaut,
welche Personen dort handeln, da sitzen halt schon aus Organisationen, die teilweise verboten worden sind, Personen im direkten Umfeld von Ulrich Siegmund, es sitzen Personen aus eindeutig verfassungsfeindlichen Organisationen, die auch so eingestuft wurden, in wichtigen, entscheidenden Positionen. Wobei dieser Verfassungsschutz ja auch um einiges politischer sein dürfte wieder als in Österreich. Naja, hat explizit die Aufgabe, auch die politischen Parteien zu überwachen in der Form.
Ja, aber auch die Besetzung dieses dürfte um einiges und die Kontrolle der politischen, also der amtsinhabenden Parteien dürfte hier auch größer oder stärker sein als bei uns in Österreich. Das ist aus der deutschen Geschichte geboren, wo man aus bekannten Gründen halt der Meinung war, das ist notwendig. Ja, das ist definitiv so. Und ich möchte auch ehrlicherweise nicht auf den ursprünglichen Punkt zurückkommen, als Österreicher in Deutschland ihre Politik jetzt hier zu erklären.
Dafür gibt es ein paar, Anna Schneider oder die, die das gerne machen und die das viel machen. Ich glaube, deren Podcast, deren Formate kann man sich anhören. Da gibt es genug Österreicher, die die Politik erklären. Was ich für mich und für Österreich vielleicht daraus mitnehmen kann, ist, joi, also schau, wir sind in Österreich weit von dieser Situation entfernt. Wir sind in Österreich, wenn wir darüber reden, dass die FPÖ jetzt eine Bundesregierung stellen könne,
weit davon entfernt, dass sie eine absolute stellt. Man kann daraus aber eine Sache schon ableiten, als Mitglied oder Funktionär oder Regierungsmitglied einer etablierten Partei. Weil das ist im Endeffekt in Österreich ähnlich. Wenn man Personen nicht zuhört, also wenn man der österreichischen Bevölkerung nicht zuhört oder sie das Gefühl haben, dass die österreichischen, dass österreichische Politiker an ihnen vorbeiregieren, ihnen ihre Interessen nicht wahrnehmen, dann werden sie sich halt denen zuwenden,
Ausgewählte Fundstelle · ca. 19:19
die am lautesten schreien. Und das ist, genauso wie es in Deutschland die AfD ist, in Österreich halt die FPÖ. Und das macht sie nicht zu Nazis. Das macht die Wähler nicht komplett, nicht jeder, der die, weil das in Deutschland dann gerne das Argument, in öffentlich-rechtlich oder sonst was, mittlerweile auch weniger als früher, das sind dann alles Rechte. Nein, das sind einfach Unzufriedene. Und so Unzufriedene gibt es auch in Österreich. Das gibt es von der Parteienstruktur bis hinunter, sag ich mal, in jeden Betrieb,
ins kleinste Dorf hinein. Leute, die einfach das Gefühl haben, dass sie abgehängt sind. Und ich glaube, wenn man vor etwas Angst haben sollte, dann ist es genau davor, dass Leute abgehängt sind oder das Gefühl haben, abgehängt zu sein. Genau. Weil das ist das, wovor man Angst haben sollte, weil dann werden sie sich immer, sag ich mal, sie werden Hoffnung dort finden, wo es wurscht ist, ob sie darüber jetzt etwas bekommen werden. Sie wissen nur Folgendes. Sie werden bei denen, die aktuell am Amt sind,
die aktuell am Ruder sitzen, nichts bekommen. Sie werden von denen nicht die Unterstützung erhalten, nicht die Reformen bekommen, nicht eine positive Zukunft gebeten bekommen. Also werden sie sich denen zuwenden, die ihnen Veränderung versprechen. Ob sie diese umsetzen können, das wissen wir bei der AfD in Deutschland nicht. Das wissen wir auch bei der FPÖ nicht. Aber suchen werden sie sich dort. Ja. Denn, ich meine, wenn man jetzt kurz schaut,
was ist Großes passiert oder was hat sich groß verändert, seit Mario Kunasek Landeshauptmann der Steiermark ist? Der Lufthunder da und Graz ist weg. Das kann ich dir jetzt so sagen. Ausgegeben wird genau gleich. Bitte? Ausgegeben wird genau gleich. Genau. Also ja, die großen, die Änderungen sind dann wahrscheinlich eher symbolischer Natur, weil es ist doch ein großes System und du kannst das System eben nicht einfach auf den Kopf stellen. Es ist vor allem das Billigste. Daher setzt ein paar Symbole und deine Wähler sind zufrieden. Genau.
Genau. Zwei Sachen sind mir dazu eingefallen noch. Auch Gernot Blöhmel hat das bei dir im Gespräch auch sehr gut beschrieben. Du hast da gesagt, es geht ja, wenn schwierige Zeiten sind, dann fühlen sich die Menschen den Rändern näher. Vor allem dem rechten Rand. Und das hat der Gernot, finde ich, sehr gut erklärt. Und ich glaube, das ist auch etwas, was man der Politik mitgeben muss zum Verständnis. Der Gernot hat ja gesagt, der rechte Rand, kritisiert, die kritisiert den Staat.
Der will in der Regel eher weniger Staat als mehr Staat. Der Linke, der Linke möchte ja die Umverteilung und den totalen Staat sozusagen. Der rechte möchte eher weniger Staat und kritisiert das tendenziell. Ist auch nicht ganz einfach. Wir könnten jetzt dann zu Hufeisen gehen, die zu Kreisen werden. Aber dann kommen wir ins nächste Politik pro Seminar. Und das müssen wir jetzt niemandem antworten. Die Tendenz stimmt. Also was du beschreibst, ist tendenziell wahr. Also vor allem in der Wahrnehmung ist es so. Ja. Ich möchte, ich wollte das jetzt deshalb hervorkehren, weil wir ja auch einen eigenen Staatssekretär
für die Regulierung haben. Und ich sage einmal, wenn sich die Bevölkerung weniger Staat wünscht und wenn die Bevölkerung weniger Staat wählen möchte, warum gibt es ihnen nicht weniger Staat? Ja. Machtabbau, Strukturabbau, Personalabbau. Ich glaube, das ist das Letzte, woran man als Erster, als Regierender denkt. Aber wir haben doch jetzt gerade gesagt, naja, dann müssen wir halt Symbolpolitik machen. Richtig. Die kostet nichts. Die kostet nichts.
Wo ist die Symbolpolitik? Die Symbolpolitik? Da gibt es genug Beispiele. Also, wenn ich... Dass der Finanzminister jetzt gut erfährt, zum Beispiel. Oder das Dürre-Gesetz. Ist auch Symbolpolitik, bis zu einem gewissen Draht. Weil, was verändert sich da jetzt? Naja, es ist nicht im Budget gegenfinanziert, wir müssen ja gerade Budget konsolidieren. Genau. Und im Gegensatz geben wir den anderen Parteien ein Klimaschutzgesetz. Das ist jetzt eine strukturelle Reform,
ist das nicht. Es ist keine gratis... Und vor allem, welchen Steuerzahler holst du ab damit? Welchen Wähler holst du ab mit diesen Paketen? Naja, du holst zwei, drei Zielgruppen von dir ab oder denkst, dass du sie abholen kannst. Wie gut das kommuniziert wird, steht auf einem anderen Blatt. Da könnte man, glaube ich, einen extra Podcast mal drüber machen. Kurze Frage an die Landwirte und Linken unter unseren Hörern. Fühlt ihr euch abgeholt durchs Dürre-Paket respektive dadurch, dass das Versprechen, dass wir bis 2040 klimaneutral werden, wieder auf den Tisch gelegt worden ist? Oder glaubt das ihnen nicht mehr? Ja, es wäre auf jeden Fall eine spannende,
spannend eure Meinung dazu zu hören. Das könnt man auch im nächsten Podcast diskutieren. Sehr gerne, sehr gerne. Eine weitere Sache, die wir sicher noch diskutieren sollten in einer weiteren Folge, ist das Thema Rechts. Also rechts ist ja da irgendwo immer böse und trotzdem driftet alles immer weiter nach rechts. Und auch der Sebastian Kurz positioniert sich ja jetzt außerhalb der Politik als starker Befürworter von Mitte rechts. Ja, das hat er vorher auch schon. Wie lange geht es noch gut,
sich zu versuchen als Systempartei oder als Großpartei ja von diesem Wort rechts fernzuhalten, weil die ÖVP, die jetzt im Amt ist und der Karl Nehammer im Wahlkampf hat sich ja als die Mitte präsentiert. Das war ja auf den Plakaten, weil wir sind die Mitte. Also offensichtlich wollte man nicht rechts sein, man wollte nicht versuchen. Man möchte möglichst bei der, ja, also ich verstehe schon, was du meinst. Ja, das war Erfolg, das war Positionierung gegen Kickl halt. Also wie erfolgreich das war,
kann man jetzt diskutieren. Aber wäre nicht rechts, aber mit Gehalt besser als die Mitte? Rechts, aber mit Gehalt. Das heißt, alle Leute, die keine Kohle haben, sind, ich habe nicht mehr zu reden, du sagst, das ist in deiner Formulierpartei. Ich habe gehört, gehaltvoll. Nein, ist klar. Mit Inhalten. Wäre auf jeden Fall ein spannender Podcast, wenn wir darüber reden. Bis dahin, ciao. Bleibe ich drauf, Nico, schönen Tag, ciao. Wenn dir diese Folge gefallen hat, folge den Podcast, bewerte ihn und teile ihn mit Freunden. Ich freue mich immer über Feedback. Bis zum nächsten Mal. Ciao.