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13 Köpfe in 13 Jahren

Niko & Felix · 11. Juli 2026 · 29 Min.

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Worum es geht.

Niko und Felix diskutieren den häufigen Wechsel an der Spitze des ÖVP-Parteimanagements. Es geht um den Auftrag von Generalsekretären, die Macht der Länder und den Unterschied zwischen Volksparteien und Themenparteien.

Redaktionell zusammengefasst aus der Folgenbeschreibung.

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Die ÖVP hat wieder einen neuen Parteimanager. Markus Gstöttner ist bereits der dreizehnte Kopf an der Spitze der ÖVP-Bundespartei seit 2013 - Generalsekretäre inklusive der Doppelspitze Melchior/Schwarz.

Felix und ich schauen uns an, warum der Generalsekretär immer schneller geht als der Obmann, welchen Projektauftrag Gstöttner mit den Wahlen in Tirol, Oberösterreich und Niederösterreich vor sich hat und warum diese Rolle beides sein kann: Schleudersitz oder Sprungbrett. Christian Stocker und Karl Nehammer haben es vorgemacht.

Und wir gehen eine Ebene tiefer: Warum halten ÖVP und SPÖ in den Gemeinden Ergebnisse, von denen sie im Bund nur träumen können? Warum ist die FPÖ absolut abhängig vom Bundestrend und von einer einzigen Person? Und warum sind die Neos, wie es ein Funktionär formuliert hat, nur eine schlechte Wahl von der Auslöschung entfernt?

Viel Freude mit dieser Folge.

Euer Niko

Kapitelübersicht

00:00:00 "Wenn was schlecht läuft, ist bekanntlich immer der Chef schuld"00:00:42 "Der dreizehnte Generalsekretär in zehn Jahren"00:03:43 "Der Anwalt, der eigentlich in Pension gehen wollte"00:05:18 "Die ÖVP Bund darf den Ländern nicht schaden"00:08:43 "Dann wäre er der erste, der geköpft wird"00:10:32 "Wenn du nicht lieferst, wirst du ausgetauscht"00:15:09 "Volksparteien und Issue Parteien"00:22:25 "Wenn sie bei mir hereinschaut, sieht sie beides Feuerwehrmänner"00:23:45 "Schlechtestes Wahlergebnis, und trotzdem 37 Prozent"00:25:40 "Eine Wahl davon entfernt, ausgelöscht zu werden"

Kapitel.

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  1. 0:00Wenn was schlecht läuft, ist bekanntlich immer der Chef schuld
  2. 0:42Der dreizehnte Generalsekretär in zehn Jahren
  3. 3:43Der Anwalt, der eigentlich in Pension gehen wollte
  4. 5:18Die ÖVP Bund darf den Ländern nicht schaden
  5. 8:43Dann wäre er der erste, der geköpft wird
  6. 10:32Wenn du nicht lieferst, wirst du ausgetauscht
  7. 15:09Volksparteien und Issue Parteien
  8. 22:25Wenn sie bei mir hereinschaut, sieht sie beides Feuerwehrmänner
  9. 23:45Schlechtestes Wahlergebnis, und trotzdem 37 Prozent
  10. 25:40Eine Wahl davon entfernt, ausgelöscht zu werden

Das Gespräch zum Lesen.

Automatisches, noch nicht redaktionell korrigiertes Transkript. Namen und einzelne Wörter können fehlerhaft sein. Die Zeitlinks führen ungefähr an die jeweilige Stelle.

0:00

Markus Gstöttner und Niko Machetti. Niko Machetti ist der bisherige Parteimanager, Generalsekretär der ÖVP. Markus Gstöttner ist sein Nachfolger. Jetzt ist es natürlich, wenn man sich anschaut über die letzten Jahre so, wenn eine Partei eine Krisensituation hat, heißt eine schlechte Wahl, schlechte Umfragewerte, dann ist der Parteimanager, der ja schnell mal ausgetauscht wird. Der schneller geht als ein Bundesparteiobmann. Weil wenn man schlecht darf, dann ist bekanntlich immer der Chef schuld.

0:37

Aber Felix, wie viele Parteimanager hast du bewusst mitbekommen? Ja, der Chef schuld oder halt der, der die Konsequenzen zieht. Und das ist eine sehr gute Frage. Also wir haben jetzt nachgeschaut. Markus Gstöttner ist jetzt der 13. Generalsekretär der österreichischen Volkspartei in den letzten zehn Jahren. Das heißt, da gab es einige. Aber man sieht das ja auch daran. Also der Tausch des Geschäftsführers und des Generalsekretärs ist einfach ein Zeichen auch eines Richtungswechsels. Und wenn man einen Richtungswechsel in einer Partei starten muss oder meint, einen starten zu müssen, wenn jetzt die Umfragewerte nicht in die Richtung gehen, in die man sie braucht, dann muss man natürlich Konsequenzen setzen.

1:26

Und die unmittelbarste, am leichtesten setzbare Konsequenz ist dann halt wahrscheinlich, den obersten Angestellten sozusagen auszutauschen. Natürlich geht der Parteichef dann nicht so schnell. Der Parteichef aktuell ist sowohl Bundeskanzler noch. Also einen Bundeskanzler in der Mitte seiner Koalition oder nach dem ersten Drittel seiner Regierungsperiode zurückzutreten, weil die Umfragewerte nicht stimmen, das wäre vermutlich ein Regierimove. Und außerdem auch nicht so schnell möglich.

2:02

Ein Generalsekretär am Ende des Tages ist ein Angestellter, der ausgetauscht werden kann durch ein Gremium. Ein Parteichefwechsel braucht ja dann einen Parteitag am Ende des Tages. Und wenn man sich anschaut, Bundeskanzler Christian Stocker hat ja auch wesentlich mehr Rückhalt in der Partei. Denn auch wenn die Umfragewerte der ÖVP über die letzten Jahre, sei Sebastian Kurz tendenziell, wenn man sich das anschaut, nach unten zeigen, also am höchsten Zeitpunkt zu geben. Das war irgendwann Rally around the flag Corona, war einmal eine Umfrage da, wo sie bei 45 Prozent lagen.

2:40

Letztes Wahlergebnis unter Sebastian Kurz waren, wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe, 37 Prozent. Korrigiere mich, wenn ich, aber ich bin mir ziemlich sicher, es waren 37 Prozent. Unter Karl Nehammer ging es dann runter, unter die 30 Prozent Hürde und auf den zweiten Platz hinter der FPÖ. Jetzt herzugehen in der Situation und seinen Obmann auszutauschen oder eine Obmandebatte loszubrechen, wenn man gerade bei 20 Prozent hängt, wäre ein schlauer Move, wenn man Richtung 15 Prozent rutschen möchte, aus meiner Sicht.

3:17

Oder wenn man den Obmann, den man jetzt pushen möchte, im Hintergrund hat. Ich sehe jetzt in der ÖVP niemanden, der aktuell in der jetzigen Situation Christian Stocker seinen Job neidig machen wollen könnte. Könnte, ist glaube ich die Betonung, weil wollte, würde ich nicht so unterschreiben. Es wäre vermutlich jetzt auch der schlimmste Zeitpunkt, ich glaube schon, dass natürlich dann um die nächste Wahl herum hier eine Richtungsentscheidung, eine personelle getroffen werden muss.

3:55

Das sind sich vermutlich alle Beteiligten bewusst. Das sagt ja auch die Kommunikation von Christian Stocker bewusst provokativ und offensiv, dass sich da der Anwalt, der eigentlich in Pension gehen wollte, jetzt spontan dazu entschlossen hat, Bundeskanzler zu sein. Insofern wird sich wohl eine Obmann-Debatte abzeichnen müssen. Und das war auch mein erster Gedanke, wie ich diese Gerüchte vor ungefähr zwei Wochen das erste Mal gehört habe, dass der Nico Machetti jetzt absteigen Ast ist und potenziell geht.

4:31

Mein erster Gedanke war, na gut, wann willst du den Generalsekretär austauschen? Eventuell, wenn da ein neuer Windpersonell kommen soll, weil ein neuer Obmann kommen soll. Aber de facto, warum den jetzt abmontieren? So schlecht wäre mir jetzt seine Arbeit persönlich nicht vorgekommen. Ja, jetzt ist es passiert. Und der Markus Stöttner ist gekommen, mit ihm ein ehemaliger Kurz-Intimus, könnte man sagen. Und seine stärkste Aussage bei der Vorstellung gegenüber der Presse war, er möchte die ÖVP jetzt wieder kampagnenfähig machen.

5:15

Ausgewählte Fundstelle · ca. 5:18

Heißt das, man bereitet sich schon auf einen Wahlkampf vor? Naja, schau dir an, wenn wir ein Jahr weiter blicken. Generell ist es 2027 so, dass wir in Europa ein super Wahljahr haben. Das heißt nicht im Sinne von einer EU-Wahl, aber von Frankreich bis Polen stehen riesige richtungsentscheidende Wahlen an. Und wenn man nach Österreich blickt, dann haben wir dort zwei wesentliche Wahlen im kommenden Jahr und eine im Jahr darauf, nämlich Niederösterreich und davor Tirol und Oberösterreich. Und gerade bei denen, das sind alles ÖVP-Kernländern, muss und darf die ÖVP-Bund den Ländern nicht schaden, beziehungsweise muss in der Lage sein, gut zu kommunizieren, beziehungsweise kampagnenfähig, genau das, was er angesprochen hat, zu kommunizieren.

6:10

Und ich würde nicht behaupten, weil du es vorher erwähnt hast, dass Nico Machetti seine Arbeit schlecht gemacht hat. Ich glaube, nur die Rahmenbedingungen, die er vorgefunden hat mit der wirtschaftlichen Situation, mit dieser Regierungskonstellation, die hätten auch anderen Generalsekretären, anderen Persönlichkeiten, vielleicht hätte man eine oder andere Entscheidung anders treffen können, sei es ORF, sei es verschiedenste Sachen, personell ein bisschen anders machen können. Aber insgesamt, glaube ich, hätte das wenig an der Gesamtsituation verschieben können.

6:47

Ob das Markus Stöttner jetzt im kommenden Jahr gelingt, wird sich zeigen. Was man über ihn sagen kann, er ist von der fachlichen Qualifikation, das heißt von der Ausbildung und von den Situationen, die er vorher gemacht hat, sicher einer derjenigen Personen, die am höchsten qualifiziert ist. Also er hat seine Ausbildung an der LSE in London gemacht. Er hat die Rolle des Kabinettschefs des Bundeskanzlers inne gehabt. Er war in der Privatwirtschaft bei McKinsey, ein Gast, mit dem ich vor kurzem da gesessen bin, hat gesagt, wenn du ein paar Jahre mal bei McKinsey durchgehalten hast, dann wirst du schon recht tough sein.

7:33

Und ob er diese Erwartungen, die da sind, die hoch sind, erfüllen kann, wird sich zeigen. Aber für alle diejenigen, die sich nach den guten Zeiten, unter Anführungszeichen, die guten Zeiten zurücksehen, also die Zeiten, wo die ÖVP bei 37 Prozent lag, für alle, die wirtschaftsliberal denken, beziehungsweise sich da was wünschen, beziehungsweise den Mitte-Rechts-Kurs vermissen, für die ist er mit Sicherheit ein klares Signal.

8:08

Also er dürfte auf jeden Fall damit einen Kernprojektauftrag haben. Ich glaube, das hast du jetzt sehr gut gezeichnet. Es kommen drei ganz wesentliche Wahlen in den kommenden zwei Jahren in Österreich, werden anstehen. Und am Ende des Tages, wie diese Wahlen ausfallen, an dem wird vermutlich seine Arbeit gemessen werden. Und dann werden wir sehen, ob wir 2028 nach der Niederösterreich-Wahl über den nächsten ÖVP-Generalsekretär sprechen. Also ob er sich hält.

8:43

Ja, absolut. Und man muss es auch ganz klar sagen, wenn diese Wahlen schlecht ausgehen oder eine der großen Wahlen schlecht ausgeht, dann wird er vorher schon weg sein. Also das ist das Erste, was passieren wird, wenn Tirol oder Oberösterreich schlecht ausgeht und schlecht ausgeht, hieße Platz 1 verlieren. Dann wäre er der Erste, der geköpft wird, sprichwörtlich. Vielleicht, dass wir das uns auch einmal anschauen. Wie gesagt, 13 Generalsekretäre in zehn Jahren. Der Generalsekretär hat jetzt nicht, sage ich einmal, das ist jetzt ja auch nicht ein Job, wo du mit der Anforderung hineingehst, den machst du jetzt für den Rest deines Lebens oder auch für einen längeren Zeitpunkt.

9:29

Also tatsächlich überraschenderweise der konstanteste Generalsekretär in den letzten zehn Jahren war Christian Stocker, der es zweieinhalb bis drei Jahre gemacht haben dürfte. Das ist natürlich ein, also ich glaube, das ist auch ganz wichtig festzuhalten, wenn man anschaut, wie funktionieren Parteien und wie funktionieren diese Posten, über die wir da sprechen. Das ist ja ein Hire and Fire. Nicht nur, du machst einen schlechten Job, also wirst du rausgeworfen, sondern du gehst in diesen Job hinein, dann gibt es ein definiertes Projektziel.

10:09

Wie gesagt, ich sehe, so wie du es jetzt herausgearbeitet hast, könnte man annehmen, bei Markus Gestötter ist das Ziel, du bringst uns jetzt bitte heil durch diese drei Landtagswahlen und machst uns dafür Kampagnen fit und schaust, dass die ÖVP hier auf der Straße gut dasteht und eine gute Figur macht und daran wirst du gemessen. Das ist absolut richtig, weil du gerade Christian Stocker angesprochen hast. Ich glaube, das zeigt einerseits diese Rolle. Generalsekretär ist eine Rolle, von der du, wenn du es gut machst, großes Aufstiegspotenzial hast, weil nicht nur Christian Stocker, sondern auch Karl Nehammer war Generalsekretär, bevor er Innenminister und dann Bundeskanzler wurde.

10:56

Genauso ist aber der andere Faktor. Wenn du nicht lieferst und liefern heißt gute Wahlergebnisse, gute Umfragen, dann wirst du derjenige sein, der ausgetauscht wird, weil auch bei Christian Stocker stand im Raum vor der EU-Wahl damals, also wenige Monate vor der Nationalratswahl, dass, wenn diese Wahl schlecht ausgeht und sie ist dann am Ende besser ausgegangen, als man erwartet hat, vielleicht auch durch geschicktes Erwartungsmanagement, dann wirst du nicht mehr in dieser Funktion sein, dann wäre Christian Stocker nicht in dieser Funktion mehr gewesen und er wäre mit Sicherheit auch nicht Bundeskanzler dieser Republik geworden.

11:40

Wenn er davor als Generalsekretär gegangen worden wäre, wäre er sicher nicht dorthin gekommen. Das war ja Teil dieser, das war ja auch ein Teil dessen, weshalb er in der Lage war, diese Parteiführung, diese Parteispitze interimistisch zu übernehmen, weil der Karl Nehammer ja ohne klare Nachfolge hingelegt hat, hingeworfen hat, gegangen ist und dann war mal unklar, wer sollte den Laden überhaupt übernehmen. Wie gesagt, ich gehe davon aus, dass sich zum Ende dieser Periode die Frage stellen wird in der ÖVP, in welche Richtung soll es gehen, welches Lager, welche Personalien sind da die Dominanten.

12:25

Zu diesem Zeitpunkt hat sich diese Frage offensichtlich nicht gestellt, beziehungsweise nach der verlorenen Wahl logischerweise hinzugehen und dann als neuer Parteichef zu übernehmen. Für jemanden mit politischen Ambitionen ist das der schlechteste Zeitpunkt. Das ist sicher richtig. Es war damals, wenn ich jetzt zurückdenke an die Situation, in der die Partei war, unklar, wie es jetzt weitergeht, weil man hatte eigentlich erwartet, dass diese Regierung sich einigen wird. Es hat sich dann über Weihnachten, über die Weihnachtsferien, Silvester abgezeichnet.

13:04

Es gibt Schwierigkeiten in den Verhandlungen. Sie stecken fest. Dann kam die Ankündigung von Beate Meinl-Reisinger, sie steigen aus den Verhandlungen aus. Und infolgedessen ist Karl Niammer dann auch als Bundesparteiobmann und als Bundeskanzler zurückgetreten. Wenn ich mich, ich denke gerade damals über die Situation nach, da waren verschiedenste Umfragesituationen dann in der Kronenzeitung, sie haben die verschiedensten Szenarien durchgespielt. Es stand auch im Raum, dass Sebastian Kurz zurückkehrt, was aufgrund verschiedenster Einschätzungen in den Ländern dann nicht passiert ist.

13:46

Wäre nur mit Neuwahlen verbunden wirklich gewesen. Richtig. Absolut. Und die Ergebnisse für diese Neuwahlen mit einem Sebastian Kurz wären noch schlechter gewesen als das Wahlergebnis, das man jetzt hat. Das hätten die Umfragen hergegeben, das ist richtig. Und wie es dann tatsächlich ausgegangen wäre, ist natürlich ein anderes Spiel. Aber offensichtlich war das Risiko, das einzugehen, in den Ländern enden wollend. Und am Ende vom Tag, und da kommen wir jetzt auf den nächsten wesentlichen Punkt, entscheiden das ja auch dem Länder mit, wer Bundesparteiobmann ist. Die ÖVP ist eine Partei, die in der Tiefe in den Ländern, in den Gemeinden extrem stark ist.

14:28

Die beiden ehemaligen Großparteien, so muss man sie mittlerweile nennen, weil sie haben nicht mehr gemeinsam 50 Prozent, SPÖ und ÖVP, haben in den Gemeinden einen absoluten Vorteil, strategisch, kampagnentechnisch, weil sie so viele Funktionäre und historisch so eine Tiefe durchdringen haben. Da kommen Grüne und Neos absolut sowieso nicht dran. Viel kleinere Parteistrukturen, viel schwächer aufgestellt. Und die FPÖ, auch wenn sie mittlerweile in den meisten Ländern mitregiert, in der Landesregierung auch einige Gemeinden mittlerweile hält, bei weitem noch nicht heran.

15:10

Historisch gab es in Österreich zwei Arten von Parteien. Du hast die Arten gesprochen, zuerst die zwei großen Parteien, die SPÖ, die ÖVP als Catch-all-Partys oder Volksparteien. Und das andere waren eher Issue-Parteien oder Themenparteien. Logischerweise die Grünen kann man sich genau darauf festnageln, was deren Thema ist. Neos, ein liberaleres Weltbild zu bringen. Entstanden aus Protest für den mangelnden Reformwillen der damaligen Feynman-Regierung.

15:47

Genau, und auch eine FPÖ, die ja ursprünglich auch ganz klar ein zentrales Issue hatte, das Thema Ausländer. Migration. Korrekt, das hat sie aufgegriffen mit dem Aufstieg von Jörg Haider. Also davor war das bei weitem nicht das beherrschende Thema. Davor waren sie eher eine wirtschaftsliberale Partei beziehungsweise davor das Auffanglager für die Wurzeln. Die Wurzeln aus dem dritten Lager, genau. Jedenfalls, du hast dann eben jetzt diese freiheitliche Partei, die auch die Wurzeln hat in dieser Issue-Party oder in diesem Issue-Management-Thema.

16:34

Und die ist jetzt auf einmal durch gut geführte populistische Wahlkämpfe und durch einfach den Geist der Zeit an erster Stelle. Und wie du es auch gesagt hast, ich glaube, in fünf von neun Bundesländern sind sie mittlerweile regierungsbeteiligt. Und logischerweise muss sich dann auch eine Struktur unter der Bundesstruktur langsam herauszubilden beginnen. Also ich wäre entsetzt, wenn ein Steiermark, wo sie jetzt den Landeshauptmann stellen, nicht beginnen würde, eine eigene Identität zu entwickeln.

17:18

Auch ein Oberösterreich oder ein Niederösterreich oder ein Salzburg, wo sie sich jetzt immer breiter positionieren. Auch da wäre es komisch, wenn sie keine Identität entwickeln würde. Aber das ist, glaube ich, der springende Punkt. Und das ist es, was es gilt zu verstehen. Während du zwei Parteien hast, die diese Strukturen aufgrund ihrer Größe und auch aufgrund der Möglichkeiten, die diese Größe geliefert hat, ausarbeiten können und haben können, müssen andere Parteien diese Struktur erst in die Lage kommen, sich zu erarbeiten.

17:57

Ja, wobei, da muss man dazu sagen, ja, sie haben sich historisch dazu entwickelt. In der Entstehung der ÖVP und der SPÖ betrachtet, die SPÖ aus der Arbeiterbewegung und die heutige ÖVP aus einer Mischung aus verschiedensten Kräften, sei es die Bauern, sei es die Arbeit, die christlichen Arbeitnehmer, seien es Unternehmungsstrebungen, sind halt Parteien, die halt auch weniger ein Single-Issue repräsentieren, sondern eben Bevölkerungsgruppen abbilden wollen.

18:35

Und du hast es ganz richtig besprochen, gerade angesprochen. Es ist halt die Frage, jetzt wo die FPÖ etabliert ist, ob sie es schafft, sich in den Gemeinden neue Zielgruppen zu erarbeiten. Ich glaube, dort, wo sie das größte Potenzial am Land hat, das hört, ein ÖVP-Wähler, ein ÖVP-Ungern ist bei den Bauern. Weil ich attestiere jetzt, die meisten Bauern wählen die ÖVP, weil sie die Landwirtschaftskammer kontrollieren und weil sie in weiterer Folge das Landwirtschaftsministerium kontrollieren.

19:16

Und weil du als Kind eines Bauernbundfunktionärs einmal gleich automatisch auch Bauernbund-Mitglied bist. Das ist richtig. Aber ich würde behaupten, von verschiedensten Gesprächen mit Bauern, dass nicht alle, aber ein erheblicher Anteil von ihren inhaltlichen Positionen gesellschaftspolitisch näher an der FPÖ sind, als sie an der heutigen ÖVP sind. Ich würde auch behaupten, mit dieser Erosion der Stammwähler, die wir in einer anderen Folge angesprochen haben, ich hoffe, die ist zu diesem Zeitpunkt schon ausgestrahlt, wenn nicht, ist das so ein komischer Zeitloop jetzt, den wir gerade entstehen lassen.

19:57

Ich hoffe, dass mit dieser Erosion, beziehungsweise ich würde behaupten, dass mit dieser Erosion des Stammwählerpotenzials, dass dadurch unabhängig dessen, ob du jetzt am Papierbauernbund-Mitglied bist oder nicht, oder wo auch immer du in welchem Verein du dabei bist, dass das im Zweifelsfall dann auch nicht mehr deine politische Entscheidung lenkt oder nicht lenkt. Ist ja jetzt, das ist ja gerade, wenn du jetzt in den Raum gehst, Stadt, Land, wo wir uns ja auch separat dazu schon unterhalten haben und wir sind ja zum Schluss gekommen, Vereine als solche dienen ja auch einer gewissen politischen Kanalisierung oder einer gewissen, ja einer politischen Kanalisierung, das ist eigentlich ein gutes Wort dafür, das findet auch weniger statt

20:54

und dadurch wirst du natürlich eher, wenn du unzufrieden bist und wenn du, wenn es Probleme gibt in unserem Land und wir haben aktuell Probleme, die sind da aufgrund von geopolitischen Verschiebungen und die sind einfach jetzt über Jahrzehnte herangewachsen, schleichend. auch wenn man sich aller dieser bewusst ist, kann man sie nicht so einfach lösen, dann dauert das, dann ist das zart, dann entsteht eine Unzufriedenheit unter der Bevölkerung und dann wird sie natürlich eher in eine populistischere und protestwählerischere Stimmung verfallen.

21:31

Ja, das würde ich aber recht klar unterscheiden auf Landes- und Bundesebene von einer Gemeindeebene, weil diese ganzen Vereine, die du gerade angesprochen hast, ja auf gesellschaftspolitischer oder unzufriedener Ebene, drücken sie da schnell mal in eine andere Richtung aus, als ÖVP oder SPÖ oder dem klassischen Heimatklientel, wo sie herkommen. Aber diese Funktionäre in den Vereinen, in der Feuerwehr und den vielen, vielen anderen Vereinen, Landjugend, die sind ja auch ein Nährboden für Funktionäre der Partei am Ende vom Tag und für die Funktionäre, die Gemeinderäte in den Gemeinden.

22:09

Und wenn du so eine starke Basis hast, jetzt nicht unbedingt Wähler, sondern von Funktionären, dann ist das eine Rekrutierungsbasis für deine Partei, die die FPÖ in dem Umfang bei Weitem noch nicht so hat, wie sie die SPÖ oder die ÖVP haben. Also mein Feuerwehrkommandant, wie ich seinerzeit unterschrieben habe, hat er zu mir gesagt, Felix, ich weiß genau, du bist ja Schwarzer, ich weiß genau, er da ist roter und ihr bei mir herin seid, seid ihr beides Feuerwehrmänner und da ist die Partei einmal wurscht. Und jetzt bist du in einer Gemeinde, die rot geprägelt war.

22:47

Oder rot geprägt ist, oder? Ja, die sogar eine rote, absolute derzeit hat. Aber um jetzt wieder zu unserem politikwissenschaftlichen Pro-Seminar, das wir hier spontan ausgerufen haben, zurückzukommen. Du hast jetzt, glaube ich, gerade den ganz wesentlichen Punkt angesprochen, wo ich eigentlich hinwollte, nämlich cui bono eine lokale Struktur aufzubauen. Warum möchte man das überhaupt? Warum? Es ist doch viel netter, sozusagen, wenn sich alle Ergebnisse auf den unteren Ebenen durch den Bundestrend widerspiegeln. Aber, logischerweise, und das ist die ganz wichtige, das ist die ganz wichtige Botschaft, die, um jetzt ein Beispiel zu nennen, die Volkspartei Niederösterreich, hat ihr schlechtestes Wahlergebnis überhaupt eingefahren, 2023, bei der Landtagswahl.

23:37

Das waren 37 Prozent. Schlechtestes Wahlergebnis. Das sind noch immer 37 Prozent. Das sind mehr als ein Drittel der Menschen in diesem Land, wählen die ÖVP. Das war in einer Zeit, in der der Sebastian Kurz schon weg war. Das war eine Zeit, in der die Folgen, in der die Bevölkerung aufgrund der harten Corona-Maßnahmen angepisst war auf die Politik. Und in dieser Zeit hat eine ÖVP, hätte die ÖVP im Bund, wahrscheinlich wäre sie ungefähr ähnlich dargestanden, wie sie heute dasteht, so um die 20 Prozent.

24:23

Und da hat dann eine regionale Struktur, wie sie die Volkspartei Niederösterreich ist, noch immer 37 Prozent, also fast das Doppelte von dem eingefahren. Und logischerweise, wenn du dich beginnst, lokal zu verwurzeln und eine lokale Identität zu entwickeln, dann bist du nicht mehr ganz so abhängig von diesen Bundestrends und kannst dich natürlich auch langfristig stabilisieren. Was die FPÖ zum aktuellen Zeitpunkt absolut ist. Sie sind absolut abhängig vom Bundestrend, die Länder. Genau. Und sie sind damit auch absolut abhängig von einem Herbert Kickl. Und das halte ich für sehr gefährlich, aus einer politischen Sicht.

25:02

Also grundsätzlich, sich von einer Person abhängig zu machen. Es war ja auch offensichtlich die ÖVP von Sebastian Kurz viel zu sehr abhängig. Anders kann ich mir das nicht erklären, dass er weg gewesen ist und auf einmal hat da keiner mehr gewusst, was man tun soll und man hat sich eigentlich von den Grünen regieren lassen. Ja, das kann man keiner Partei empfehlen und vermutlich, so wie man die FPÖ kennt und wie man ihre Spitzenfunktionäre kennt, es wird dich der nächste Skandal finden.

25:38

Ja, die Frage ist, wie stark der sein wird und wann er kommen wird. Das ist absolut richtig. Aber ich glaube, wir haben recht gut gerade aufgezeigt, wie wichtig solche lokalen Strukturen eben ist, weil sie für die Stabilität sorgen, die eine Partei braucht. Ich bin vor kurzem da gesessen mit einem Mitarbeiterfunktionär der NEOS, der einen ganz guten Satz gebracht hat.

26:13

Die sind eine Wahl, davon entfernt ausgelöscht zu werden. Sie sind vielleicht jetzt aktuell bei 10 Prozent, bei 11 Prozent. Das sind wenige Prozentpunkte, die sie nur runterfallen müssten, um auf unter 5 zu kommen. Diese Gefahr hat eine ÖVP und eine SPÖ nicht. Denn wo kann sie runterfallen mit dieser Struktur im Hintergrund? Ja, auf 15 Prozent wahrscheinlich irgendwo wird die Schmerzgrenze die absolute Untergrenze sein. Aber dass sie aus dem Parlament fliegen, da muss wesentlich mehr passieren.

26:49

Da müssen sie zuerst Länder, große Länder verlieren und da wird das Szenario dann eher nicht sein, dass sie aus dem Parlament fliegen, sondern das wird das Szenario sein, dass die Partei neu kommt. Wenn man sich die Wahlbeteiligung anschaut und wenn man sich dann anschaut, wie viele Funktionäre mit der ÖVP oder der SPÖ dann wirklich aktiv politisch affiliiert sind, sei es jetzt indirekt über Sozialpartnerschaften oder direkt über den riesigen Parteiapparat, der bis in jede Gemeinde irgendwo einen bezahlten Mitarbeiter hat. Wenn allein der und seine Mama und seine engste Familie einfach die Partei wählen, damit der seinen Job behält, dann bist du schon bei diesem Potenzial.

27:28

Absolut. Ich glaube, das zeigt doch gut, warum eben das so wichtig ist. Und dass es so einen Unterschied gibt, ob du im Bund erfolgreich bist oder ob du in der Gemeinde erfolgreich bist. Und mit diesen Worten schließe ich diese Folge und bin gespannt auf die nächste, die wir ausstrahlen werden, weil du hast sie ja schon erwähnt. Denn ich muss ja an der Stelle kurz sagen, das Thema, was du angesprochen hast, das wird voraussichtlich nach dieser Folge erscheinen. Ich habe also einen Parallelzeitraum geschaffen. Wir sind jetzt in der Möbius-Schleife gefangen.

28:03

Ich wünsche einen schönen Nachmittag. Wenn dir diese Folge gefallen hat, folge den Podcast, bewerte ihn und teile ihn mit Freunden. Ich freue mich immer über Feedback. Bis zum nächsten Mal. Ciao. Ciao.

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